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Stefan Itter aus dem hessischen Kirchberg nahe Kassel zeigt auf seinem Naturland Betrieb Eiwels, wie erfolgreich ein nachhaltiges Gesamtkonzept für einen Öko-Betrieb sein kann. Dabei geht es dem Öko-Bauern keineswegs darum, immer mehr zu wachsen, sondern aus dem, was er produziert, die besten Produkte zu machen. Und damit diese auch den Weg auf den Teller finden, hat er sich mit seinem Metzger und einem Koch zusammengetan. Ergebnis dieser Kooperation ist Kassels erstes Bio-Restaurant, das „Weissenstein“.

Wer zum ersten Mal auf den Eiwels Bio-Bauernhof in Kirchberg kommt, dem springt sofort der wunderschöne Fachwerk-Bau ins Auge, wie es ihn in Nordhessen noch häufiger zu finden gibt. Der Familienbetrieb wird seit 2001 von Stefan Itter nach den Richtlinien von Naturland ökologisch bewirtschaftet. Zum Betrieb gehören eine Herde Limousin-Rinder, die ganzjährig extensiv auf der Weide grasen. Außerdem 200 Legehennen und ca. 60 Schweine verschiedener Kreuzungsrassen. Eine vom Aussterben bedrohte Schweinerasse hat es dem Öko-Bauern aber besonders angetan: die Bunten Bentheimer eiwels hofSchweine. Die hält Stefan Itter in Freilandhaltung auf einer großzügigen Weide. Für die Zukunft plant der Öko-Bauer, die extensive Haltung auszubauen. Dabei setzt er weiterhin auf die Bentheimer Schweine und bei den Rindern würde er gerne von Limousin-Rindern zu Galloways wechseln.

Stefan Itter baut das Bio-Futter für seine Tiere selbst an: ein geschrotetes Gemenge aus Gerste, Weizen, Erbsen und Bohnen. „Ich bin nicht von Zulieferern abhängig, kann auf Importeiweißfuttermittel verzichten und muss im Gegenzug aber auch mögliche Ertragsverluste bei der Ernte selbst ausgleichen“, erklärt der Öko-Bauer, der das Risiko von für Öko-Betriebe üblichen Ertragsschwankungen gerne in Kauf nimmt, wenn er dafür die Entwicklung seiner Tiere selbst in der Hand behält.

Rinder und Schweine werden von Bio-Metzger Martin Theisinger verarbeitet. Die Schweine vor allem zu „Ahler Wurscht“, nach guter alter nordhessischer Wursttradition. Aber Stefan Itter ist experimentierfreudig, so entstehen auch exotischere Produkte wie etwa Hessisches Rillette. Würste und Eier kann man entweder direkt bei Stefan Itter im Hofladen kaufen, er beliefert aber auch verschiedene Naturkost-Läden in der Region Kassel.

Die ganze Wertschöpfungskette nutzen
Bis hierhin also ein ganz normaler Öko-Betrieb mit Direktvermarktung, wie es sie oft zu finden gibt und die natürlich auch sehr gut funktionieren können. Aber Stefan Itter wollte mehr über die Wertschöpfungskette seiner Produkte mitbestimmen. So z. B. in der Getreidevermarktung: über eine nahegelegene Mühle werden per Lohnverarbeitervertrag verschiedene Biomehle erzeugt, die dann die Grundlage für die Kooperation mit einem regionalen Bäcker und dessen Biobrotsortiment bilden.

Der Anbau und die Verarbeitung von Ölsaaten in der Chattengauer Ölmühle ist ein weiteres Beispiel für die Strategie, kreativer mit den eigenen Ressourcen umzugehen, Wertschöpfung auf dem Betrieb zu generieren, die Vermarktung kooperativ zu gestalten und sich dabei aktiv in die Produktpolitik einzumischen. 2017 wurden auf dem Betrieb von Stefan Itter verschiedene heimische Ölsaaten angebaut, um sie auf deren Potenziale im Anbau, Verarbeitung und Vermarktung zu testen. U.a. Hanf, Leindotter, Öllein, Sommerraps, Senf und Soja. Mittlerweile entwickelt sich eine kleine Erzeugergemeinschaft nordhessischer Biobetriebe, die 2018 in den Anbau einsteigen möchten.

Doch damit nicht genug. Für Stefan Itter war schon immer wichtig, dass seine Produkte zu hochwertigen Lebensmitteln weiterverarbeitet werden. Und wie könnte man das besser garantieren als in einem eiwels theke"Ökolandbau bedeutet für mich: Freude am kreativen Umgang mit natürlichen Ressourcen und neue Wege in Anbau, Verarbeitung und Vermarktung."….Bio-Restaurant? . Das Konzept wurde von Stefan Itter, Martin Theisinger und Koch Renée Müller gemeinsam entwickelt und ist einfach, aber rundum nachhaltig: saisonal verfügbare und ökologisch produzierte Lebensmittel aus der Region Nordhessen verarbeiten und eine gehobene regionale Küche anbieten. Daher gibt es neben dem Restaurant-Betrieb auch einen kleinen Markt Bereich, in dem sich die Besucher mit Öko-Produkten wie Eiern, Ölen und Nudeln eindecken können. Das Herzstück des Restaurants ist aber sicherlich die Fleisch- und Käsetheke. Hier können sich die Restaurant-Besucher ihr Fleisch direkt aussuchen und von Renée Müller nach Wunsch zubereiten lassen. Alles natürlich in bio und aus der Region. „Die Gäste können so den genauen Weg ihres Essens vom Stall oder Acker bis auf den Teller erfahren und nachvollziehen“, so Itter. Ab 2018 organisiert das Weissenstein auch einen „kulinarischen Dialog“ mit Biobauern. Eine Veranstaltungsreihe bei der Biobauern und interessierte Gäste zusammenkommen und über Entstehungsprozesse und Verarbeitungsgeschichten der Zutaten im Restaurant diskutieren können.

Eine weitere Idee von Stefan Itter, seine Direktvermarktung auszubauen entstand in Zusammenarbeit mit der Öko-Modellregion Nordhessen. So steht jetzt seit dem Sommer 2017 ein Regiomat auf dem Campus der Universität Kassel, bei dem sich Studierende, Beschäftigte und Gäste der Universität frische Bio-Lebensmittel kaufen können, darunter auch Produkte vom Eiwels Hof. Bei all seinen Ideen und Projekten ging es Stefan Itter weniger um Wachstum und Profit, als um Eigenständigkeit und Kreativität in Anbau und Vermarktung: „Ich denke, dass Landwirte sich mehr dafür einsetzen sollten, was mit ihren Erzeugnissen passiert. Manchmal muss man es einfach in die eigene Hand nehmen“, erklärt Itter.

Video zum Hof:

 

Kontakt

Stefan Itter
Emstalstr. 8
34305 Kirchberg
Tel./Fax: 05603 / 91 81 78
e-mail: stefan.itter(at)eiwels-kirchberg.de

www.eiwels-kirchberg.de