Naturland e.V.

Wir Ackern für Öko: Das Team vom Kartoffelkombinat

Wieviel Arbeit steckt eigentlich in den Öko-Lebensmitteln, die wir im Laden kaufen? Und welche Arbeiten liegen grade an: auf Acker, Weide und im Stall oder auch in der Backstube, Käserei oder Metzgerei? Unter dem Motto "Wir ackern für Öko - So kommt Gutes auf den Tisch" fragen wir nach und lassen die Öko-PraktikerInnen im Naturland selbst von ihrer Arbeit erzählen.

Beim Kartoffelkombinat ackern wirklich alle für Öko, denn in der Genossenschaft haben sich mehr als 1.800 Münchner Haushalte zusammengetan, um ökologisches, regionales und saisonales Gemüse anzubauen. Nach den Prinzipien einer SoLaWi (Solidarischen Landwirtschaft) können die Mitglieder selbst bestimmen, was angebaut wird und garantieren durch ihre Mitgliedschaft im Kartoffelkombinat die Abnahme aller erzeugten Lebensmittel und übernehmen die damit entstehenden Kosten wie Saatgut, Löhne, Logistik, etc. im Voraus.

Stellvertretend für die Genossenschaft haben wir Benni (Anbauleiter), Stefan (Gärtner), Alex (Praktikant), Jana (Prokuristin) und Daniel (Gründer und Vorstandsmitglied) interviewt:

Naturland: Was genau ist das Kartoffelkombinat und wie lange gibt es euch schon?

Benni: Das Kartoffelkombinat an sich ist eine Genossenschaft. Wir haben das Ziel, eine Versorgungsstruktur für München aufzubauen, in deren Fokus der Mensch steht und nicht Profitinteressen. Das Ganze erreichen wir, indem wir Haushalte mit Gemüse beliefern aus unserer Gärtnerei. Die haben wir vor drei Jahren gekauft. Das Kartoffelkombinat an sich ist schon etwas älter, schon seit acht Jahren gibt es uns. Vor drei Jahren haben wir dann aber eine ehemalige Baumschule gekauft für unseren Gemüseanbau. Wir haben relativ viel Arbeit reinstecken müssen, diese Baumschule gemüsetauglich zu machen. Jetzt machen wir dann die vierte Saison und es funktioniert von Jahr zu Jahr besser.

Naturland: Was macht das Kartoffelkombinat aus?

Benni: Das besondere an uns ist, dass wir eine Genossenschaft sind, mit mittlerweile 1.800 Mitgliedshaushalten. Das bedeutet zum einen, dass das alles hier uns allen zusammen gehört und zum Anderen dass wir diese 1.800 Leute wöchentlich mit Gemüse versorgen und so deren Grundbedarf an Lebensmitteln decken. Ansonsten haben wir hier 20 Mitarbeiter, die sich sehr engagiert um alle Belange des Kombinats kümmern.

Naturland: Was steht bei euch auf den Gemüsebeeten gerade an?

Stefan: Jetzt geht’s hier langsam in die Hauptkulturzeit, wir bekommen nächste Woche unsere Tomaten geliefert und dafür ist es besonders wichtig, dass wir jetzt die Beete räumen, dass wir die vorbereiten z.B. mit einer Kreiselegge, dass wir die grubbern und von Unkraut fernhalten. Mulch ist auch ein großes Thema, da werden wir dann die Kulturen einmulchen mit Siloballen, um die Verdunstung und den Unkrautdruck zu mindern. Das ist jetzt die nächste große Hürde, die wir überwinden müssen und dann hoffen wir, dass dieses Jahr wenig Schädlinge kommen.

Alex: Wie Stefan schon gesagt hat, nächste Woche kommen die Hauptkulturen. Das heißt, wir schauen, dass wir die Gewächshäuser und auch die Folientunnel leer kriegen, spannen noch Drähte wo die Tomaten dann hochgezogen werden. Ich bin auf jeden Fall schon richtig gespannt und freue mich wenn’s dann nächste Woche in die Hauptsaison geht.

Naturland: Merkt ihr eigentlich aktuell Auswirkungen durch Corona?

Jana: Erfreulicherweise fast gar nicht und das ist total schön, wir fühlen uns sehr bestätigt in unserem genossenschaftlichen System hier und wie wir es machen. Wir sind nicht angewiesen auf Erntehelfer, da wir keine Leute saisonal einstellen, sondern das ganze Jahr über. Wir haben Abnehmer und sind nicht vom Markt abhängig, unsere Genossen nehmen uns schon im Vorfeld unsere Ernte ab und bezahlen auch schon ein halbes Jahr im Vorfeld. Wir haben auch schon sehr früh Maßnahmen ergriffen hier im Betrieb, haben alle Hygienestandarts eingehalten, mit Abstand und ein paar Veränderungen in den Abläufen eingeführt. Wir kriegen einen super tollen Zuspruch von unseren Mitgliedern.

Naturland: Daniel, du bist Gründer vom Kartoffelkombinat und von anfang an dabei. Was ist die Vision von euch?

Daniel: Als wir uns vor acht Jahren überlegt haben, dass wir ein Kartoffelkombinat gründen möchten, war von Anfang an klar: wir brauchen regionales, saisonales, fair erzeugtes und vor Allem ökologisches Gemüse. Da gab es auch überhaupt keine Diskussion, denn diese vier Säulen ergeben für uns eben am Ende dieses qualitative Kartoffelkombinat-Gemüse was wir uns vorstellen. Und wenn man sich das Ganze dann eben auch noch im globalen Maßstab anschaut, ist ganz klar: die zukünftige Ernährungsversorgung, sowohl von der Sicherheit, als auch von der Souveränität, wird nur durch kleinbäuerlichen, ökologischen Landbau funktionieren.