Naturland e.V.

Naturland Online-Delegiertenversammlung: Löwenstein und Heigl fordern mehr Flexibilität in der GAP statt Bindung von Mitteln an die Flächenförderung

Hubert Heigl lbv kampagne 350pxNaturland Präsident Hubert Heigl präsentiert die Website der Kampagne

Gräfelfing – Die Umsetzung des Green Deals der EU-Kommission muss ins Zentrum der weiteren Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) rücken. „Wir brauchen eine enkeltaugliche Landwirtschaft, die Umwelt, Artenvielfalt und den bäuerlichen Betrieben in Europa gleichermaßen eine Zukunft gibt. Dafür ist das, was bisher an Vorschlägen auf dem Tisch liegt, viel zu wenig“, sagte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Öko-Dachverbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), am Mittwoch zum Auftakt der zweitägigen Naturland Delegiertenversammlung.

„Wir haben ein ehrgeiziges Ziel beim Ausbau des Öko-Landbaus. Dafür müssen wir alle Spielräume nutzen, die die GAP bietet, um die Finanzierung dieses Ausbaus zu gewährleisten“, sagte Löwenstein. Die dafür notwendigen Umschichtungen könnten stufenweise erfolgen, nach einem klaren Zeitplan, der jetzt festzulegen sei. „So schaffen wir Verlässlichkeit und Planbarkeit für die Betriebe und stellen zugleich sicher, dass das Geld dann zur Verfügung steht, wenn die Betriebe es wirklich benötigen, um den Umstieg zu schaffen“, unterstrich der BÖLW-Chef und frühere Naturland Präsidiumsvertreter.

 

Mehr GAP-Mittel für freiwillige Umweltleistungen frei machen

Mit Blick auf die Fortsetzung der Trilog-Verhandlungen am Donnerstag forderten Löwenstein und Naturland Präsident Heigl deutliche Korrekturen, insbesondere an der vom EU-Parlament geforderten Festschreibung von 60 Prozent der Mittel für die Flächenförderung. „Wir brauchen mehr Flexibilität beim Einsatz der Mittel, damit die Mitgliedstaaten die freiwilligen Umweltleistungen durch Umschichtung Schritt für Schritt ausbauen können. Wenn dagegen die 60 Prozent festgeschrieben sind, geben die Staaten den Ton an, die am wenigsten für Umwelt und Artenvielfalt erreichen wollen.“, sagte Heigl.

„Der Niedergang der Artenvielfalt ist nur aufzuhalten, wenn wir alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen. Der Öko-Landbau ist hierbei eines der wichtigsten Instrumente, weil er nicht nur als kurzfristige Einzelmaßnahme, sondern langfristig als Anbausystem für die Artenvielfalt wirkt“, unterstrich Heigl. „Eine GAP, die die Ziele des Green Deals wie 50 Prozent Pestizidreduktion und 25 Prozent Öko-Landbau bis 2030 wirklich ernst nimmt, muss diese Basis stärken und durch zusätzliche freiwillige Umweltmaßnahmen ergänzen“, forderte der Naturland Präsident.

 

Gemeinsame Kampagne mit dem LBV zur GAP

Wie die GAP gestaltet sein muss, um das rasante Aussterben von Feldvögeln, Insekten und Ackerwildkräutern zu stoppen und bäuerlich-ökologischen Betrieben eine Zukunft zu geben, darum geht es auch bei einer gemeinsamen bundesweiten Kampagne von Naturland mit dem Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV). Naturland Präsident Heigl stellte auf der Delegiertenkonferenz die Kampagnenseite vor, die in der kommenden Woche online gehen soll.

Die Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft ist das gemeinsame Ziel von Naturland und dem LBV. Im Rahmen ihrer im vergangenen Jahr geschlossenen Partnerschaft arbeiten beide Verbände gemeinsam am Aufbau einer Biodiversitätsberatung für die deutschen Naturland Betriebe.

 

Über Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.

Naturland ist einer der größten Öko-Verbände in Deutschland und weltweit und als gemeinnützig anerkannt. Mehr als 70.000 Bäuerinnen und Bauern in knapp 60 Ländern der Erde zeigen, dass ein ökologisches, soziales und faires Wirtschaften im Miteinander ein Erfolgsprojekt ist. Allein in Deutschland gehören rund 4.000 Öko-Betriebe dieser Gemeinschaft an. Weltweit ist die Mehrzahl der Naturland Bauern in kleinbäuerlichen Kooperativen und Erzeugergemeinschaften organisiert. Damit steht Naturland wie kein anderer Öko-Verband für den harmonischen Zweiklang von Regionalität und Internationalität in einer globalisierten Welt.

Die Naturland Delegiertenversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des Verbands und tagt zwei Mal pro Jahr. Ihm gehören 30 Naturland Bäuerinnen und Bauern aus Deutschland sowie aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa (ohne Deutschland) an. Die Interessen der internationalen Naturland Betriebe werden zusätzlich durch das World Advisory Board vertreten, welches das Naturland Präsidium in Fragen der internationalen Ausrichtung und Entwicklung des Verbands berät.

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