Naturland e.V.

Naturland zur Länder-Agrarministerkonferenz am 23.-25.09. in Weiskirchen

hubert heigl 350Naturland Präsident Hubert HeiglGräfelfing – Naturland sieht Bund und Länder in der Pflicht, die Pläne für ein freiwilliges deutsches Tierwohlkennzeichen zu beerdigen und auf eine europäische Lösung zu setzen. Denn spätestens seit der Europäischen Agrarministerkonferenz Ende August in Koblenz ist klar, dass die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission ein europäisches Tierwohlkennzeichen wollen.

„Das Bekenntnis der EU zu einem europäischen Tierwohlkennzeichen bietet die Chance für einen wirklichen Neustart. Diese Chance sollte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nutzen, sich von ihren bisherigen Plänen für ein freiwilliges Label endlich verabschieden und stattdessen voll auf eine verpflichtende und einheitliche europäische Lösung setzen“, sagte Naturland Präsident Hubert Heigl am Mittwoch aus Anlass des Treffens der deutschen Agrarminister*innen im saarländischen Weiskirchen.

Verpflichtendes Label nach Vorbild Eier-Kennzeichnung
Mit der Eier-Kennzeichnung existiert laut Heigl schon heute eine erfolgreiche, im Markt erprobte Systematik. Diese müsse jetzt auf eine verpflichtende europäische Kennzeichnung für Fleisch übertragen werden, forderte der Naturland Präsident. Auf jeder Fleischpackung müsse klar zu erkennen sein, wie das Tier gehalten wurde, vom konventionellen Mindeststandard bis hin zur Öko-Tierhaltung. „Wer im Laden an der Fleischtheke steht, muss die Chance haben, die eigene Kaufentscheidung nach Tierwohlaspekten zu fällen. Dafür muss beim Einkauf auf den ersten Blick klar sein, um welche Haltungsform es sich handelt“, unterstrich Heigl.

Europäische Tierwohlkennzeichnung muss auf „Borchert Kommission“ und „Farm to Fork“-Strategie aufbauen
Eine solche verpflichtende europäische Kennzeichnung wäre laut Heigl auch ein wichtiger Schritt in die Richtung, welche die deutsche „Borchert Kommission“ zur nationalen Nutztierstrategie und die europäische „Farm to Fork“-Strategie in ihren wegweisenden Entwürfen für die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft vorgeben. „Nur mit einem ambitionierten Umbau in Richtung mehr Umwelt-, Tier- und Klimaschutz können wir die gesellschaftliche Akzeptanz der europäischen Landwirtschaft langfristig sichern. Anstatt weiter auf freiwillige Luftschlösser zu setzen, sollte sich Bundesagrarministerin Klöckner deshalb auf die Umsetzung der Pläne der Borchert-Kommission und der ‚Farm to Fork‘-Strategie konzentrieren“, betonte der Naturland Präsident.

Hintergrund
Im September 2019 hatte das Bundeskabinett den Gesetzentwurf von Landwirtschaftsministerin Klöckner für ein staatliches Tierwohlkennzeichen auf freiwilliger Basis beschlossen. Bislang liegen aber nur Kriterien für die Schweinerzeugung vor, die zudem weit hinter den Erwartungen an ein ambitioniertes Tierwohlkennzeichen zurückbleiben. So bringt die Einstiegsstufe kaum Verbesserungen für die Tiere. Selbst das auf EU-Ebene längst verbotene Kupieren der Schwänze bleibt in einer Übergangszeit noch erlaubt. Darüber hinaus ist keine eigene Öko-Stufe vorgesehen. Damit werden über 20.000 Öko-Schweinehalter, die bereits höchste Standards der artgerechten Tierhaltung praktizieren, ausgegrenzt.

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