Naturland e.V.

Ausstieg aus betäubungsloser Ferkelkastration muss endlich flächendeckend umgesetzt werden

Ferkel 350x233Die zertifizierten Bauernhofpädagogen 2018; Bildquelle: Anja Kirchner

Gräfelfing – Die vom Bundestag verlängerte Frist bis zum endgültigen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration darf keinesfalls wieder ungenutzt verstreichen. Diesen Appell richten die Delegierten des Öko-Verbands Naturland an die Bundesregierung. „Wir brauchen jetzt dringend eine massive Kampagne zur Unterstützung der Ferkelerzeuger und Schweinemäster aller Haltungssysteme bei der Umstellung“, sagte Naturland Präsident Hubert Heigl am Freitag nach Ende der zweitägigen Naturland Delegiertenversammlung (28./29. 11.) in Gräfelfing.

Naturland hatte in den vergangenen Jahren verschiedene Alternativmethoden getestet, um seinen Betrieben rechtzeitig verschiedene Optionen anbieten zu können. Die nun dennoch beschlossene Verlängerung der Ausstiegsfrist um zwei Jahre muss genutzt werden, um den Ausstieg im gesamten Markt aktiv voranzubringen, fordern die Naturland Delegierten. Dabei geht es darum, insbesondere bei den Schlachthöfen und im Handel Akzeptanz für alle zur Verfügung stehenden Alternativen zu gewinnen sowie noch bestehende praktische Probleme einzelner Methoden zu lösen.

„Die Tatsache, dass nach Jahren des Stillstands die Zulassung von Isofluran nun plötzlich quasi über Nacht möglich war, zeigt, dass es bislang schlicht am politischen Willen gefehlt hat“, sagte Heigl. „Es ist gut, dass dieser politische Wille nun endlich da zu sein scheint. Die Bundesregierung muss dann aber auch Geld in die Hand nehmen für weitere Forschung und Entwicklung, für Aufklärung sowie für die konkrete Unterstützung von Betrieben bei der Umstellung“, forderte der Naturland Präsident.

Naturland empfiehlt Impfung als tiergerechteste Lösung

Naturland empfiehlt seinen Betrieben bereits seit 2016 die Impfung gegen Ebergeruch als die tiergerechteste Alternative, die neben den Tierschutzverbänden auch vom staatlichen Friedrich-Löffler-Institut klar favorisiert wird. „Unsere Erfahrungen zeigen klar, dass dies eine Alternative ist, die funktioniert und vom Verbraucher auch akzeptiert wird. Und als Ferkelerzeuger bin ich froh, dass ich nicht mehr kastrieren muss, sondern unversehrte Tiere aufziehen kann“, betonte Heigl.

Neben der Impfung akzeptiert Naturland aber auch andere Alternativen wie die Ebermast oder die Betäubung mit Isofluran, mit der ebenfalls viele Naturland Betriebe bereits erfolgreich arbeiten. Allerdings muss bei dieser Methode der Anwenderschutz dringend verbessert werden. Außerdem muss es genügend Tierärzte mit mobilen Narkosegeräten geben, damit auch kleine Betriebe, die sich kein eigenes Gerät leisten können, die Methode anwenden können.

Insgesamt plädiert Naturland dafür, den Betrieben möglichst viele praxistaugliche Alternativen zur Verfügung zu stellen. „Jeder Betrieb ist anders. Was beim einen gut funktioniert, kann den nächsten vor Probleme stellen“, betonte Heigl. Skeptisch zeigte er sich jedoch mit Blick auf den sogenannten 4. Weg einer Lokalanästhesie im Hodensack. „Mit den im Moment zur Verfügung stehenden Mitteln ist das kein Weg“, sagte der Naturland Präsident.

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