Naturland e.V.

Erste Bundesländer haben mit der Umsetzung des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) begonnen. Der Fond soll die Finanzierung der zukünftigen Gemeinsamen Fischereipolitik unterstützen und zur Umsetzung der Ziele der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik sowie der integrierten Meerespolitik beitragen.

Mit dem EMFF soll eine ökologisch nachhaltige, wettbewerbsfähige und innovative Aquakultur und Fischerei vor dem Hintergrund der Gemeinsamen Fischereipolitik gefördert werden. Erstmalig ist damit auch die Umstellung auf ökologische Aquakultur förderfähig.

Der EMFF in der aktuellen Förderperiode 2014 – 2020 gibt unter anderem die Möglichkeit, Zuschüsse für Investitionen in der Aquakultur und Binnenfischerei sowie für Verarbeitung und Vermarktung der Fischerzeugnisse zu beantragen. Generell stehen Deutschland 156 Mio. Euro aus dem europäischen Topf für die Förderperiode zur Verfügung.

Die Umsetzung des EMFFs ist in Deutschland Sache der Länder. Inwiefern sich die einzelnen Bundesländer beteiligen, ist in angehängter Tabelle aufgeführt. Die Förderung ist grundsätzlich ab dem Datum der Veröffentlichung der jeweiligen Förderrichtlinie möglich. Eine rückwirkende Förderung von Maßnahmen kann nicht genehmigt werden.

Bayern legt konkrete Umstellungsförderung vor

Bayern, das Bundesland mit den meisten Aquakulturbetrieben und der höchsten Fischproduktion, hat hierfür ein gesondertes Merkblatt erstellt, welches im Förderwegweiser des StMELF abrufbar ist (siehe Tabelle). Neben den allgemeinen zuwendungsfähigen Investitionen soll gezielt die Umstellung auf ökologische Aquakultur durch den Freistaat sowie die Verarbeitung biologischer Aquakulturerzeugnisse gefördert werden. Dies erfolgt über eine Ausgleichszahlung, um die Mehrkosten während des Umstellungszeitraums - max. für drei Jahre - abzufedern.

Im Detail gelten folgende Beträge für die tatsächlich verkaufte Menge an Fisch:

Speiseforellen (R2):     1,50 €/kg

Karpfen K2 bzw. K3:     0,65 €/kg bzw. 0,60 €/kg

Sind andere Fischarten von der Umstellung betroffen, werden einzelbetriebliche Berechnungen durch das Institut für Fischerei (LfL) erstellt.
Werden Betriebe gefördert, verpflichten sie sich dazu, für mindestens 5 Jahre die Anforderungen an die ökologische Produktion gemäß der EG-Öko-Verordnung einzuhalten.

Förderung greift zu kurz

Generell ist es zu begrüßen, dass Teichwirte endlich darin unterstützt und bestärkt werden, ökologisch zu wirtschaften. Als alleiniger Anreiz für eine Umstellung ist die Förderung jedoch zu knapp bemessen. Höhere Fördersätze, die den tatsächlichen Aufwand des Öko-Teichwirts für Umweltschutz und Tierwohl ausgleichen, könnten mehr Menschen zur Umstellung bewegen.

Noch wichtiger als die Höhe der Förderung ist jedoch, an den richtigen Stellschrauben anzusetzen. Zu einem Boom an umstellungsbereiten Betrieben wird eine finanzielle Förderung durch den EMFF keineswegs führen, solange die Verfügbarkeit von Öko-Jungtieren nicht gewährleistet ist.

Öko-Jungtierverfügbarkeit nicht ausreichend

Die EU-Öko-Verordnung fordert eine Herkunft der Jungtiere zu 100 Prozent aus ökologischer Zucht. Dies bildet eine ernstzunehmende Hürde für viele Betriebe, da in Deutschland nicht ausreichend ökologische Jungtiere zur Verfügung stehen. Zwar wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen schon mehrmals verlängert und zuletzt bis Ende 2016 weiterhin der Einsatz von maximal 50 Prozent konventioneller Jungtiere genehmigt. Der Aufbau einer Öko-Jungtierzucht aus privater Hand ist bislang kaum rentabel, weshalb auch nach 2016 nicht genügend Öko-Jungtiere zur Verfügung stehen werden. Dies ist im Speziellen für jene eine sehr bedrohliche Lage, die vom Zukauf von Jungtieren abhängig sind. Insofern ist eine Umstellungsförderung, die sich nur um den Absatz, nicht aber um die Verfügbarkeit von Öko-Jungtieren kümmert, zum Scheitern verurteilt.

Praxisrelevante Lösungen

Solange das nicht erreicht ist, sollten – in begründeten Ausnahmen – konventionelle Jungtiere für die Öko-Aquakulturen erlaubt sein. Voraussetzung ist, dass die Tiere mindestens 2/3 ihrer Lebenszeit in Öko-Aquakultur gehalten wurden – so wie es bereits Bestandteil der Naturland Richtlinien ist.

Betriebe, die auf eine gesicherte Verfügbarkeit ökologischer Jungtiere bauen können und Interesse an ökologischer Aquakultur haben, können gerne Kontakt mit der Naturland Fachabteilung Aquakultur aufnehmen.

Weitere Informationen auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Übersicht der Beteiligung der Bundesländer am EMFF

Bundesland  EMFF Beteiligung Umstellung * 
Baden-Württemberg A+F; in Kürze hier veröffentlicht ja
Bayern A+F, hier veröffentlicht ja
Berlin/Brandenburg A+F, hier veröffentlicht nein
Bremen A+F; in Kürze im Amtsblatt der Freien Hansestadt Bremen veröffentlicht nein
Hamburg nein  /

Hessen

nein, eigene Förderung  /
Mecklenburg-Vorpommern  voraussichtlich ab Mitte 2016 auf der Internetseite des LU und des LALLF unklar
Nordrhein-Westfalen  teilweise veröffentlicht; A+F Richtlinie voraussichtl. Mitte 2016 hier ja
Rheinland-Pfalz  nein, Förderung durch De-Minimis-Beihilfen möglich  /
Saarland  nein  /
Sachsen  A+F, hier veröffentlicht ja
Sachsen-Anhalt nein, eigene Richtlinien sollen 2016 bzw. 2017 veröffentlicht werden  /
Schleswig-Holstein  A+F; hier veröffentlicht ja
Thüringen

Voraussichtl. Sommer 2016, Beteiligung an Artikel 44 (6), 48, 54 und 69,

Wird auf der Internetseite des TMIL zu finden sein

nein

A = Aquakultur; F= Fischerei
*Umstellung auf ökologische Aquakultur förderfähig