Naturland e.V.

Derzeit prüft das Europäische Patentamt (EPA) ein Patent auf Lachse, die mit bestimmten Pflanzen gefüttert wurden (EP1965658). Wie aus einem Schreiben an die Antragsteller in Australien hervorgehe, könne das Patent wohl bereits in den nächsten Monaten erteilt werden, teilte die Initiative "Kein Patent auf Leben!" mit. Patentiert werden sollen demnach die Fische selbst sowie das Fischöl. Lebensmittel, die von diesen Lachsen stammen, sollen einen erhöhten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aufweisen, die oft als gesundheitlich wertvoll bezeichnet werden. Naturland unterstützt den Aufruf der Initiative, sich gegen die Patentierung auszusprechen.

Der Ansatz der Patentierung ist höchst zweifelhaft. „Wenn Tiere zur Erfindung werden, weil sie bestimmte Futtermittel fressen, werden bald auch Kühe und Schweine patentiert, die auf der Weide gehalten werden. Demnächst wird dann vielleicht auch das Essen und Trinken als Erfindung patentiert. Oder auch Menschen, falls sie Milch trinken oder Fisch essen“, sagte Ruth Tippe für die Initiative "Kein Patent auf Leben!".

Naturland sieht durch die Patentierungspraxis zudem die Vielfalt von Nutztieren und Pflanzen bedroht und kritisiert, dass Landwirte durch Patente in Abhängigkeit gedrängt und damit der Marktmacht weniger Saatgut-Konzerne und der Patentlage ausgesetzt werden.

"Kein Patent auf Leben!" macht darauf aufmerksam, dass die Marktkonzentration bei Betrieben der Saatgutproduktion in Bereichen wie der Zucht von Gemüse, Mais und Soja schon jetzt ein extremes Ausmaß erreicht habe: Nach verschiedenen Berichten kontrollierten lediglich fünf Unternehmen den Markt für Mais-Saatgut in der EU, beim Saatgut für Gemüse kontrolliert dieselbe Anzahl von Firmen bereits 95 Prozent des Marktes der EU.

Verbraucher sind aufgerufen, sich mit einer Massenbriefaktion gegen die geplante Patentierung von Lachs auszusprechen. Dazu hat "Kein Patent auf Leben!" einen Musterbrief vorbereitet, den man hier unter dem Link der Koalition "No patents on seeds!" herunterladen kann.

 

Nachtrag vom 4. August: Protest erfolgreich - dranbleiben ist wichtig!

Nach der Kritik vieler Bürger und Initiativen habe das Europäische Patentamt nun beschlossen, das Patent noch einmal zu Prüfen. Das teilte das Bündnis "No patents on seeds!" in einer Mitteilung vom 3. August mit. „Es ist ein wichtiges Zeichen, dass das EPA auf Proteste der Öffentlichkeit reagiert hat. Aber dies ist noch kein dauerhafter Erfolg: Sobald die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt, macht das EPA einfach weiter wie bisher“, sagt Christoph Then für Keine Patente auf Saatgut! und warnt zugleich:„Wenn die Politik dem Amt keine klaren Grenzen setzt, werden auch in Zukunft Patente auf Pflanzen und Tiere gewährt. Und auch das Lachs-Patent kann immer noch erteilt werden.“

Zur Pressemitteilung von "No patents on seeds!".