Naturland e.V.

Öko-Landbau endet nicht auf dem Acker oder an der Stalltür. Erst wenn die Bauern ihre Erzeugnisse auch zu einem angemessenen Preis verkaufen können, wird Öko zu einem wirklich nachhaltigen Erfolg. Damit das gelingt, gibt es neben dem Naturland Verband auch zwei Naturland Marktorganisationen, die Marktgesellschaft und die Marktgenossenschaft. In ihnen haben sich Naturland Bauern zusammengetan, um die Vermarktung ihrer Erzeugnisse zu organisieren. 

Die ältere der beiden Organisationen, die Naturland Marktgesellschaft, feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Schon früh war sie als produktübergreifende und bundesweite Erzeugergemeinschaft tätig. Seit fast 22 Jahren steht Jörg Große-Lochtmann an der Spitze des Unternehmens, das heute den Namen „Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG“ trägt.

Aktiengesellschaft? Ja, aber mit mehr als 850 Bauern als Aktionären der Erzeugergemeinschaft. „Mit der Form einer Aktiengesellschaft stärken wir unser Eigenkapital und der Aufsichtsrat wird jetzt demokratisch für vier Jahre gewählt, während die Stammgesellschafter vorher einmalig bestimmt wurden“, sagt Große-Lochtmann. Keine andere Ökoerzeugergemeinschaft bündelt so viel Ware, keine andere vertreibt bundesweit produktübergreifend pflanzliche und tierische Produkte.

Gestartet in kleinen Räumen in der Lindenstraße in Freising, um vor allem die Meyermühle und die Hofpfisterei zu beliefern, gibt es heute den Firmensitz in Hohenkammer und ein weiteres Büro in Berlin. Die Marktgesellschaft betreibt eigene Getreidelager, versorgt die Bauern mit eigenem Saat- und Pflanzgut und hat immer wieder Akzente gesetzt mit innovativen Ideen. Um die Produkte vom Laden bis zum Bauern zurück zu verfolgen startete die Marktgesellschaft „bio mit Gesicht“. Das von der Marktgesellschaft ins Leben gerufenene Zweinutzungshuhn-Regionalprojekt „Ei care“ mit alternativer Rasse bei Hahn und Henne wurde auf der BioFach 2012 als innovativstes Produkt ausgezeichnet.

Für 2.000 Öko-Bauern und über 100 Kunden ist die Naturland Marktgesellschaft Partner und Lieferant des Vertrauens. „Diese Kombination und die Netzwerke machen die Naturland Marktgesellschaft aus“, sagt Jörg Große-Lochtmann, „alle Betriebszweige haben eine wichtige Bedeutung und sollen sich langfristig gemeinsam entwickeln wie auf einem Naturland Hof.“ So gibt es bei der Schweinevermarktung ein System, das den Preis für Ferkel an den Preis für Schlachtschweine koppelt. Damit profitieren alle Bauern in der Wertschöpfungskette. Auch die Preise für Kooperations-Futter von Ackerbau und Geflügelhaltern werden gemeinsam vereinbart, damit alle einen fairen Teil bekommen als ob es ein Betrieb wäre.

Die Marktgesellschaft fühlt sich verantwortlich für die Existenz- und Weiterentwicklung ihrer Bauern. „In der Position zwischen Erzeugern und Abnehmern sind wir die Reibungsfläche. Natürlich kann man es in dieser Position nie allen recht machen“, sagt Tomás Sonntag, Ressortleiter für tierische Produkte. „Man braucht das Vertrauen beider Seiten.“ Die Mitarbeiter der Marktgesellschaft verhandeln im Interesse der Bauern mit Verarbeitern wie Mühlen und Fleischern, aber auch Handelsunternehmen wie Dennree oder der REWE. Die Mitarbeiter der Marktgesellschaft vertreten die Interessen der Landwirte und sorgen dafür, dass sie am Markterfolg teilhaben.

25 Jahre und kein bisschen leise
Es gibt eine Zeit der Arbeit und eine Zeit des Feierns. Zum Feiern geben 25 Jahre Bestehen der Naturland Marktgesellschaft einen guten Anlass. Bereits auf der Biofach im Februar 2016 waren alle Landwirte und Marktpartner eingeladen, gemeinsam mit einem speziell zu diesem Anlass gebrauten „Grüne Helden-Bier“ auf das Jubiläum der Naturland Marktgesellschaft anzustoßen. Im Juli gab es ein internes Fest mit allen Mitarbeiter der Marktgesellschaft sowie der DSC 0042Felix Prinz zu Löwenstein bei seiner Rede anlässlich der 25-Jahr-Feier der Naturland Marktgesellschaft (Photo: Naturland e.V.)Naturland Organisationen Verband, Zeichen und Beratung bei Kramerbräu in Pfaffenhofen. Gastredner Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW und vor seiner Hofübergabe auch Stammgesellschafter der Marktgesellschaft, stellte in seiner Rede einprägsam heraus, dass dies der Kreis ist, der Realität werden lässt wovon er in seinen vielen Vorträgen häufig spricht. „Der Ökomarkt existiert und wächst und das macht Mut für die großen Herausforderungen die noch vor uns liegen.“

Geschäftsführer Steffen Reese (Verband) warf einen Blick in die Vergangenheit die auch Axel Altenweger, den Gründungsgeschäftsführer der Marktgesellschaft sehr bewegte. Jens Binder, Geschäftsführer der Beratung, betonte, wie wichtig die Vernetzung der Naturland Organisationen sei, um den Mitgliedern den bestmöglichen Service zu bieten und auch zukünftig den wachsenden Öko Markt mitgestalten zu können.

Dem Anbau in weiten Fruchtfolgen wurde auch mit dem Ausschank eines 5-Kornbieres sowie dem Jubiläumsbier „Grüne Helden“ gehuldigt, welches mit seinem Namen die Rolle der Landwirte in der Kette noch einmal betonen soll. Im letzten Redebeitrag trug dann Jörg Große-Lochtmann die schier unerschöpflichen Potentiale einer symbiotischen Zusammenarbeit der Naturland Organisationen mit einer Abwandlung eines Poetry Slams von Lars Ruppel vor, bevor der wichtigste und längste Teil, das fröhliche Zusammensein im Kollegenkreise mit musikalischer Begleitung folgte, der erst nach Mitternacht ausklang.