Naturland e.V.

Öko-Pionier und Naturland Partner der ersten Stunde

Stocker im Feld 350Siegfried Stocker (r.) bei Feldbegehung mit Naturland Berater und BauernMehl, Wasser und Salz, dazu vielleicht ein paar Gewürze: Mehr braucht ein gutes Brot nicht. Bereits Ende der 1970er Jahre formulierte Siegfried Stocker den Anspruch, dass die Brote der Münchner Hofpfisterei nur aus möglichst naturbelassenen Rohstoffen zu backen seien. Das bedeutete für ihn schon damals auch die Förderung des Anbaus von ökologischem Getreide in der Region.

Damit war Siegfried Stocker seiner Zeit weit voraus. Als der weitsichtige Unternehmer in den 1980er Jahren begann, die Produktion der Hofpfisterei schrittweise auf eine ökologische Herstellung von Natursauerteigbroten umzustellen, wurde er allseits skeptisch beäugt. Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren damals noch keine Themen, die Unternehmen interessierten. Zudem fehlte es am Wesentlichen: Es gab noch kaum Öko-Bauern in Bayern, von denen Stocker das Getreide für seine naturbelassenen Brote beziehen konnte.

Gemeinsam Bauern umstellen: Beginn der Partnerschaft mit Naturland

Also machte sich der Unternehmer auf die Suche nach einem Verband, der seine durch und durch ökologische Philosophie teilte – und fand Naturland. Gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer des erst wenige Jahre zuvor gegründeten Verbands, Dr. Stocker berzeugt Bauern 350Siegfried Stocker überzeugt Bauern von der Umstellung auf ÖkoRichard Storhas, zog Stocker ab 1989 im wahrsten Sinn des Wortes über die Dörfer: Stocker erzählte von seinen Plänen und Storhas erklärte, was Öko-Landbau eigentlich bedeutet und wie die Umstellung funktioniert.

Dass das bei vielen der Bauern im konservativen Bayern damals auf Skepsis stieß, kann man sich lebhaft vorstellen. Doch wenn sogar der Chef der traditionsreichen Hofpfisterei diese Öko-Idee guthieß, dann musste doch irgendwas dran sein. Und so wurde aus der Umstellungs-Tour durch bayerische Wirtshaussäle der erfolgreiche Beginn der inzwischen mehr als 25 Jahre währenden Partnerschaft zwischen Naturland und der Hofpfisterei.

Keine halben Sachen: Bio-Bäcker, Bio-Müller und Bio-Metzger

Dieser Erfolg hatte von Anfang an vor allem damit zu tun, dass Ökologie und Umweltschutz für Stocker ein Herzensanliegen waren, das er mit der Konsequenz des weitsichtigen Unternehmers in die Tat umsetzte. Um die ökologische Qualität in der kompletten Lieferkette vom Acker bis auf den Ladentisch sicherstellen zu können, übernahm er 1988 die Meyermühle in Landshut und baute sie zur Bio-Mühle Nummer 1 aus. Und weil die neu gewonnen Öko-Bauern, die das Getreide für die Hofpfisterei anbauten, natürlich auch Tiere hielten, für die sie eine Absatzmöglichkeit brauchten, baute Stocker ab 1993 die Öko-Metzgerei Landfrau auf.

Heute liefern rund 600 bayerische Öko-Landwirte, die eine Fläche von mehr als 3.000 Hektar bestellen, Öko-Getreide an die Hofpfisterei. Die Entwicklung der ökologischen Nahrungsmittelwirtschaft über das eigene Unternehmen hinaus unterstützte Stocker als Gründungsmitglied der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AÖL).

Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen

Auch in Arbeitgeber und Umweltverbänden war er in den 1980er und 1990er Jahren führend aktiv. Sein Schwerpunkt lag dabei immer auf Nachhaltigkeit sowie auf Sozial- und Tarifpolitik. Für dieses Engagement wurde der Unternehmer vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, dem Bayerischen Verdienstorden und dem Umweltpreis der Europäischen Kommission.

Am 4. Juni 2016 ist Siegfried Stocker im Alter von 71 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

Zum Unternehmensporträt der Hofpfisterei.