Naturland e.V.
Übergabe der Unterschriften an Staatssekretär Kloos (Foto: Volker Gehrmann)

Neue Gentechnik-Verfahren wie CRISPR*, mit denen in die Genetik von Pflanzen und Tieren eingegriffen wird, müssen als Gentechnik eingestuft werden und gemäß dem Vorsorgeprinzip einer Risikoprüfung und Kennzeichnung unterliegen. Das fordert ein breites Bündnis von Verbänden sowie die 67.000 UnterzeichnerInnen des Aufrufs „Freifahrtschein für neue Gentechnik-Verfahren? Das machen wir nicht mit, Herr Minister Schmidt!“ Staatssekretär Robert Kloos nahm die Unterschriften am 17. März in Berlin entgegen.

„Konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern und Verbraucherinnen akzeptieren keine Gentechnik durch die Hintertür. Wir sind gut beraten, uns keine neuen Risikotechnologien auf den Acker, in den Stall und auf den Teller zu holen. Die Erfahrung mit den Gentechnik-Konzernen zeigt: Gewinne werden gerne einkassiert, Risiken und Kosten auf die Allgemeinheit verteilt. Mit uns nicht“, so Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

„Einige Konzerne wollen erreichen, dass neue Gentechnik-Pflanzen und Tiere künftig nicht gekennzeichnet und reguliert werden, um die Risikovorsorge und damit verbundene Kosten zu umgehen“, ergänzt Antje Kölling von Demeter. „Herr Schmidt darf sich davon nicht beirren lassen, sondern muss die Vielfalt der Bäuerinnen und Bauern, kleinere Pflanzenzüchter, Lebensmittelhersteller, die Verbraucher sowie die biologische Vielfalt vor Risiken durch gentechnisch manipulierte Organismen schützen.“

„Die Bundesregierung muss das Gentechnikrecht durchsetzen. Es kann nicht sein, dass Verbände und Unternehmen klagen müssen, damit hier Recht eingehalten wird“, kritisiert Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk (GeN). Nur eine Klage des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie eines konventionellen Lebensmittelherstellers und eines Bio-Saatgutunternehmens haben dafür gesorgt, dass ein durch neue gentechnische Verfahren hergestellter Raps der Firma Cibus auch in diesem Jahr nicht ausgesät wird. „Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat den Raps einfach durchgewunken – aber Gentechnik bleibt Gentechnik und muss auch so gekennzeichnet werden“, so Volker Gehrmann von Save Our Seeds.

„Minister Schmidt muss sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass alle mittels neuer Gentechnik-Verfahren entwickelten Pflanzen und Tiere auch gemäß EU-Gentechnikrecht reguliert werden. Nur mit konsequenter Risikoprüfung und Kennzeichnung kann echte Wahlfreiheit gesichert werden,“ fasst Friedhelm von Mering, Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Forderungen der Unterzeichner der Petition zusammen. „Auch eine Freisetzung zu Forschungszwecken in Deutschland muss der Minister verhindern, da die möglichen Folgen für Mensch und Umwelt nicht abschätzbar sind und die veränderten Organismen nicht wieder aus der Umwelt zurückgeholt werden können.“

Weitere Hintergrundinformationen in der file ico Pressemitteilung der Verbände.